Schadstoffe (Liste nicht abschliessend)

ASBEST - (hohes oder tiefes Faserfreisetzungspotential) 

Asbeste sind die grösste Gruppe der Bauschadstoffe. Durch die einizigartigen Eigenschaften (thermische Isolierfähigkeit, hohe Elastizität, Zugfestikeit, Hitzebeständig, chemieresistent uvm. ) spricht man von über 3000 Produkten, in welchen Asbest verwendet wurde. Jahrzehntelang galt Asbest in der Industriebranche als das Material der tausend Möglichkeiten, da er wie keine andere Faser für viele technische Produkte optimale Eigenschaften besitzt. Asbesthaltige Produkte wurden eingesetzt als Platten, Matten oder Formmassen für den Brandschutz und die Wärmeisolation, als Brems- und Kupplungsbeläge im Fahrzeugbau sowie als Dichtungen bei hohen thermischen oder chemischen Beanspruchungen uvm. Ab 1990 gilt ein Asbestverbot in Europa. Objekte, welche also vorher (oder um diese Zeit) gebaut, renoviert, modifiziert wurden, gilt es anzuschauen und vor Eingriffen zu überprüfen. Wichtig ist, herauszufinden,  welche Materialien vorhanden sind und das Faserfreisetzungspotential zu kennen. Je höher dies ist, je höher ist die Anzahl der Asbestfasern, welche sich im Objekt oder im Raum verteilen können. 


PCB / CP - (polychlorierte Biphenyle / Chlorparaffine)

Bei PCB handelt sich um synthetisch hergestellte chemische Substanzen, deren negative Auswirkung auf Mensch und Umwelt erst nach jahrzehntelanger Verwendung in zahlreichen Produkten nachgewiesen wurde. PCB wurden unter anderem Anstrichen (und Lacken) sowie wasserdichten und korrosions-beständigen Beschichtungen zugesetzt, um ihre langfristige Elastizität zu gewährleisten. 

PCB haltige Produkte und Anwendungen bis 1976 (offene Systeme);

  • Anstriche auf Metallkonstruktionen, Beschichtungen und Fugendichtungsmassen 
  • Dichtungsanstriche von Tankauffangwannen, Turnhallen, Kellerräumen, Waschküchen, Flure, Balkone, im Wasserbau usw. 

PCB haltige Produkte und Anwendungen bis 1986 (geschlossene Systeme) 

  • Kondensatoren, elektronische Geräte, Öle

CP gilt ab ca. 1972 als Ersatz von PCB in Fugendichtungsmassen. Es wurde aber schon vor 1972 und bis 1990 in diversen Bauprodukten u.a. als Weichmacher und Flammschutzmittel eingesetzt. Auch in PVC-Materialien wie Kabelmantel, Boden- und Wandbelägen oder Kautschuken. 


HBCD - (Hexabromcyclododecan)

Bei älteren EPS- und XPS-Dämmstoffen, die bis etwa 2016 verbaut  wurden, besteht die Möglichkeit, dass sie das Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) enthalten. Dieser Stoff zählt zu den langlebigen, fettlöslichen und gesundheitlich bedenklichen Chemikalien. Besonders problematisch sind seine Wirkungen vor allem für Schwangere. Zudem bleibt HBCD in der Umwelt sehr lange erhalten und ist stark wasserorganismengiftig. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde es international als persistenter organischer Schadstoff eingestuft und 2013 in die Liste der weltweit zu eliminierenden Stoffe des Stockholmer Übereinkommens aufgenommen, womit Herstellung und Einsatz weitgehend untersagt sind. Deshalb müssen Dämmmaterialien mit HBCD bei Sanierungen oder Rückbaumaßnahmen separat gesammelt und fachgerecht entsorgt werden, damit sie nicht in den Stoffkreislauf zurückgelangen. In der Schweiz ist der Einbau von HBCD-haltigen Dämmstoffen seit 2016 nicht mehr zulässig.


PAK - (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)

PAK gehören zu den natürlichen Bestandteilen von Kohle und Öl. Obwohl im Volksmund oft Teer und Bitumen als Synonyme verwendet werden, findet sich in Bitumen kein abfallrechtlich relevanter PAK Gehalt. PAK-haltigen Materialien sind hauptsächlich zu finden in; 

  • Brennbare Materialien wie; Dachabdeckungen, Dachpappen (Dachkies siehe unten), Kleber, Beschichtungen, Dämmkorke, Eisenbahnschwellen
  • Mineralische Anwendungen wie; Gussasphalt, Asphaltfliesen, Strassenasphalt, Dachkies, Schlacken

In diesen Baustoffen wurde Teer (mit hohen PAK-Gehalten) durch Bitumen (ohne relevante PAK-Gehalte) ersetzt. Es kann davon ausgegangen werden, dass ab 1990 keine teerhaltigen Baumaterialien mehr eingesetzt wurden. Hinweis:  Bei teerhaltigen Dachdichtungsbahnen, Dachpappen, Fugendichtungsmassen sowie Kleber  gilt auch auf Asbest zu überprüfen. Es gibt Hinweise, dass auch das Bindemittel von Teerkork asbesthaltig sein kann.


Nutzungsbedingte Schadstoffe - (Mineralöle, Lösungsmittel, Cyanide, PCB`s etc.)

Nutzungsbedingte Belastungen entstehen durch Stoffe, die im Zuge der Nutzung eines Gebäudes – etwa in Industrie- oder Gewerbebetrieben – in die Bausubstanz gelangen (z. B. Mineralöle, Lösungsmittel usw.). Die Bandbreite potenzieller Schadstoffe ist ebenso vielfältig wie die möglichen Nutzungsarten selbst. Die Bewertung einer solchen Belastung der Gebäudesubstanz kann durch einen Bauschadstoff-Diagnostiker vorgenommen werden. Bei komplexeren Situationen ist es ratsam, zusätzlich eine Altlastenfachperson hinzuzuziehen.

 Am häufigsten werden folgende Schadstoffe angetroffen:

  • Mineralöle (aliphatische Kohlenwasserstoffe, KW C10-C40), z.B. Kraftstoffen, Ölen und Fetten,  (in Werkstätten, Tankstellen, Tank- oder Heizungsräumen, Autogewerbe)
  • Lösungsmittel (meistens leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe), z.B. bei Metallverarbeitung, Lackieren, Entfetten und chemischen Reinigungen
  • Schwermetalle und Cyanide, z.B. in metallverarbeitenden Betrieben, Galvanik etc.
  • PCB, z.B. in metallverarbeitenden Betrieben oder Traforäumen aufgrund ausgelaufener Trafoöle


FCKW / FKW - (Fluorkohlenwasserstoffe) 

Gemäss der Vollzugshilfe der VVEA «Modul Bauabfälle» muss bei folgenden Anwendungen bis in die 90er Jahre damit gerechnet werden, dass sie ozon- und klimaschädliche Treibmittel wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), teilhalogenierte FCKW (HFCKW) und Fluorkohlenwasserstoffe (ganz- oder teilhalogeniert (FKW bzw. HFKW) enthalten. Ab 2004 kann davon ausgegangen werden, dass keine solche Dämmstoffe mehr FCKW enthalten. 

  • Sandwichplatten mit geschäumtem Kern, z.B. aus Polyurethan (PUR) und Phenolharzschaum
  • Dämmungen von stationären Kühlanlagen (sowie deren Leitungen, vgl. nächster Punkt) und von Dächern
  • Geschäumte Rohrleitungsdämmungen aus PUR


Schwermetalle - (Quecksilber, Blei, Zink, Chrom, Antimon)
Schwermetalle können in verschiedenen Anwendungen vorkommen. Je nach Alter und Objekt findet man sie vor allem in;

  • Mineralfarben, Anstriche, welche in Gebäuden auf Putzen, Metall- oder Holzoberflä­chen aufgebracht wurden
  • Sportplatzbelägen Anfang der 1970er Jahre. Ab ca 1980  waren auch schadstoffärmere Produkte verfügbar.  Quecksilberverbindungen bis 1994  (Stoffverordnung 1994) 
  • Dachkies 
  • Nutzungsbedingte Belastungen
  • Schlackeschüttungen
  • Holzabfälle (Aussenbereich, Dachstöcke)


HSM Holzschutzmittel - (PCP, HCH, Lindan, DDT, Chlorthalonil, Chlordan u.a.)

Holzschutzmittel wurden bis ca. 1990 zum Schutz von Holz eingesetzt, präventiv und bei Befall mit Holzschädlingen (Pilze und Insekten). Diese findet man auch heute noch in Bauten aus dieser Zeit. HSM werden auch heute noch angewendet. Allerdings jedoch nur , wenn sie wirkungsvoll sind und kein Risiko für den Anwender, Benutzer oder die Umwelt darstellen. 

Verwendet wurden früher primär die oben erwähnten Verbindungen, welche als Fungizide oder Insektizide gelten. In sehr alten Häusern sind auch Belastungen mit quecksilber- und arsenhaltigen Holzschutzmitteln im Holz möglich.  Auch wurden Produkte mit  Teeröl oder Teerölpräparate (mit hohen PAK-Konzentrationen) zum Holzschutz eingesetzt.  Auch PCB könnten als Weichmacher in entsprechenden Lacken/Anstrichen beigemischt worden sein.  Gemäss VVEA (Verordnung z.Vermeidung u. Entsorgung von Abfällen) gilt es als Parameter für die stoffliche bzw. thermische Verwertung von Holzabfällen und muss entsprechend analysiert werden. Insbesondere in Dachstühlen, Fachwerken, Gewerbebauten sowie in Scheunen und Ställen finden sich oftmals grosse Vorkommen. Diese Hölzer können sehr hohe Konzentrationen an problematischen HSM aufweisen.

Eine zuverlässige visuelle oder organoleptische (geruchsbasierte) Erkennung von problematischen HSM-Rückständen im Holz ist i.d.R. nicht möglich. Daher ist eine Analyse notwendig.


Chemische Schadstoffe 

Chemische Schadstoffe gibt es unzählige. Im Schadstoffmanagement berücksichtigt man neben der Vermeidung und Entsorgung vor allem den Nutzerschutz. 
Von Belastungen der Bausubstanz mit chemischen Schadstoffen kann eine relevante Gesundheitsgefährdung ausgehen. Zur gesundheitlich / toxikologischen Beurteilung der Situation sind meist Raumluftmessungen nötig. Im Gegensatz zu Asbest bestehen in der Schweiz nur wenige verbindliche Richtlinie bezüglich des Umgangs mit diesen Schadstoffen. Zur Beurteilung der Analysenresultate müssen die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Substanzen mit einbezogen werden. Entsprechende Raumluftmessungen sollten deshalb nur von erfahrenen Fachpersonen durchgeführt werden.
Oft hört man den Begriff VOC Stoffe (volatile organic compounds) - flüchtige organische Verbindungen. VOC sind organische Stoffe, die leicht verdampfen, also schon bei Raumtemperatur in die Luft übergehen können. 

PCB/CB, PAK , HSM

siehe oben 

Aldehyde / Formaldehyde

Eigenschaften: oft stechender Geruch, reagieren chemisch leicht, können Reizungen oder Allergien auslösen
Vorkommen:   
in Farben, Lacken, Holzwerkstoffen, Reinigern, Klebstoffen, entstehen beim Kochen, Braten, Rauchen, Kerzen, Öfen

Ketone

Eigenschaften: oft typische, süßlich-stechende Lösungsmittelgerüche, leicht flüchtig und brennbar
Vorkommen: in Lösungsmitteln, Nagellackentferner, Farben, Klebstoffen, im Körper entsteht Aceton z. B. bei starkem Fasten, Ketoazidose

PFAS

Eigenschaften: Die PFAS sind eine Stoffgruppe der (Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen) und umfassen mehr als 10'000 verschiedene Verbindungen. 

Sie gehören zu den Ewigkeitschemikalien.

Vorkommen: In Grundwasser, Meer, Böden aber auch in Haushalt & Alltagsprodukten wie Antihaft-Beschichtungen (z. B. Teflon-Pfannen), Imprägniersprays 

(Textilien, Schuhe, Outdoor-Bekleidung), Lebensmittelverpackungen (Pizzakartons, Fast-Food-Verpackungen, beschichtetes Papier, Feuerlöschschäume 

(insbesondere für Flughäfen & Militär), Beschichtungen in der Galvanik, Elektroindustrie, Schmiermittel, Dichtungen, Lacke, Membranen für Dialysegeräte, Implantate

Radon - (Edelgas)
Radon ist ein natürliches, radioaktives Edelgas, das aus dem Untergrund in Gebäude gelangen kann. Die Schweiz ist aus geologischen Gründen besonders von der Problematik betroffen.  Radon ist krebserregend (Alphastrahler  mit den gefährlichen Zerfallsprodukten Polonium, Wismut und Blei) und verursacht in der Schweiz 200 bis 300 Todesfälle pro Jahr. Radon ist somit nach dem Rauchen die wichtigste Ursache für Lungenkrebs. 

Doch keine Angst, unsere Radonfachleute können Sie beraten und Ihnen aufzeigen wie man die Gefahr bannen kann. Ich möchte gerne eine Beratung
BAG Website mit weiterführenden Informationen




 
 
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